#146 Sternenstaub

  • Feb. 2025
  • 5 min

„Halt ein!“, rief ich, zutiefst erfreut Als sah dein Leuchten ich erneut Bin auch ein Stern! Will mit dir ziehen Bevor wir noch allein verglüh‘n Du riefst zurück, „So komm doch mit“ Ich wähnte mich im tiefsten Glück Beschloss, mit dir die Bahn zu teilen Dir rasch noch hinterher zu eilen

Ein Doppelgestirn! So schwebt’s mir vor Mal einer folgt, mal läuft wer vor Wir drehn uns lachend um uns selbst Erkunden uns, dabei die Welt Wollt teilen, was zu teilen war Und staunend rufen: „Es ist wahr!“ Wollt frei sein, mit dir, mit der Welt Wollt leben, wie es uns gefällt

Geduld!, mahnst du, bin nicht allein! Ich muss fürwahr noch Mutter sein Hab Sternenkinder um mich geschart Für sie hab ich hier ausgeharrt Hab meine Kreise eng gezogen Nun sag, was hat denn dich bewogen Du junger Stern, weißt du denn nicht Hier braucht’s Geduld, wenn du willst mich

Geduld, sags’t? Ha! Will mit dir gehn Und mit den Jahren so manches sehn Liebe auch meist das Szepter schwang Doch als Zeit verging, etwas begann Begann, die Runden dann doch zu zählen. Begann zu raunen, du musst wählen! Wählen musst du, rasch, mein Kind! Sonst bist dahin, allzu geschwind Bevor du ganz dein Licht geschaut Wirst du sonst sein schon Sternenstaub!

Und dann, was bleibt von deinem Stern Nett war er ja, man hatte ihn gern Zog doch recht hilfreich fremde Bahnen Zurück blieb nichts, nicht mal ein Namen Und sollt er doch die Bahn verlassen Wär klar, dass ihn dann alle hassen Bloß doch ein Fremder, der gegangen Den mal ein Stern hat eingefangen

Doppelgestirn, doch auf fremden Bahnen Nun fragt er sich, wars zu erahnen? Wars wirklich denn vorherbestimmt Ist‘s immer so, dass jemand nimmt Dass Gebenden nichts übrig bleibt Als geben, geben, alle Zeit Halt ein! Sagt eine Stimm‘ ihm dann Entscheid dich, sagt sie, sei ein Mann!

Bekam nicht nichts, bekam zurück Mit der Geduld wuchs Stück für Stück Vertraun und Liebe, immer mehr So wuchs die Bindung, vor mir her Umwuchert‘ mich, mit starken Wurzeln Bewahrt‘ mich vor so manchen Stürzen Doch wächst der Baum auf Äther nur Ein Wort von dir, und fort ist er

Ein Sternenleben? Bald vorbei Drum ist’s wohl fern von einerlei Auf welche Böden man sich pflanzt Und wo man anlegt ganz die Hand Worin das Herz legt alle Kraft Auf dass der Boden Frucht erschafft Denn Früchte gibt’s zwar allerlei Doch welch‘ Frucht wohl die meine sei?

Nun stellt sich groß die Frage mir Warum, mein Stern, bin ich mit dir? Bin weit von meinen Bahnen fort Geduld bracht‘ mich an diesen Ort Ist’s der, wo’s Schicksal mich will haben Um zu entdecken, zu erfahren Hier deines Lichtes Widerschein Bin ich am Ende hier daheim?

Oh Doppelgestirn! Wo willst du hin? Ach, hätt‘ ich doch nur Klarheit in Dieser Frage aller Fragen Dann wär‘s so leicht, es gleich zu wagen Geschwind würd ich den Weg bereiten Damit kannst glücklich mich begleiten Niemals mehr schauten wir zurück Schau’n nur nach vorn, schau’n unser Glück

Und doch, die mahnend Stimme ruft Vergiss niemals, dass du verflucht Verflucht nun schon ins vierte Glied Verflucht seit dem verdammten Krieg Den fortgeführt hat jedermann Weil niemand jemals anders kann Weißt du denn nicht, dass du musst fort Fort von diesem Zufluchtsort

Bist Stern! So leuchte von der Ferne Fern von hier haben wir dich doch gerne Vertrau’n ist nur was für andere Leut‘ Hab‘s schon gesagt, ich sag’s erneut Für dich gibt’s hier nur Leid und Tod Wohin du kommst, erzeugst du Not Drum geh! Bevor du Wurzeln schlägst Geh! Bevor du es wieder erlebst!

Du Narr! Hast etwa Wurzeln eingeschlagen Und nun wunderst dich über Unbehagen? Natürlich zitterst du und bebst Hast doch nur allzu oft erlebt Wie bricht und blutet schwer ein Herz Hast du noch nicht genug vom Schmerz? Hast immer noch nicht ganz verstanden Warum sich Sterne niemals banden?

Fallen wirst du, du Komet! Verglühen rasch auf diesem Weg Geduld nur näher bringt den Fall Kehr um, nun, rasch! Zurück ins All! Bevor nun ihre Schwerkraft dich Ganz in Bann zieht unweigerlich Bevor du gehst ganz und gar auf Alsbald vergessener Sternenstaub

Doppelgestirn! Sagst du und meinst Dass Liebe vielleicht dich doch noch heilt Dass du nicht Fluch, Fluchbrecher bist Der Krieg endlich zu Ende ist Stell dir nur vor! Die Welt gäb‘ Recht Und dies wär‘ nun wirklich das letzte Gefecht Und mit etwas Vertrauen, und etwas Bemüh‘n Würden endlich zwei Sterne gemeinsam erglühn

Welch seltener Fund! Sind doch beide am Strahlen Sie ziehen sich an, und hab’n doch eig‘ne Bahnen Beleuchten mal dies, mal beleuchten sie das Und haben dabei offensichtlich noch Spaß Ein Doppelgestirn! So verbunden wie frei Zieh‘n sie zusammen an uns vorbei Teilen ein Leben, und vielleicht sogar zwei Eines Tages, ja – Staub Doch bis dahin zu zweit Und damit – endlich Endlich frei

Nach und nach Aufblühen...

...in Form von Geschichten, Einsichten und bisweilen auch Workshops & Vorträgen.

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